Eines ist ganz klar: Das Kauen der Fingernägel kann als Krankheit angesehen werden. In Fachkreisen spricht man von Onychophagie. Wissenschaftler haben erkannt, dass das Fingernägelkauen als neurotische Störung zu kennzeichnen ist. Entweder „zwingt“ die Gewohnheit den Nagelkauer dazu, dem nachzukommen, oder Belastungen im emotionalen und seelischen Bereich sorgen dafür, dass man seine Fingernägel abkaut. Je nach Belastungsfaktor oder Gewohnheitsstärke kaut man stärker oder schwächer an den Fingernägeln. Beginnt man mit dem einfachen Kauen, sollte man bereits nach einem Gegenmittel suchen, denn im Kleinen liegt auch hier der Anfang einer Sucht. In der nächsten Stufe kaut man die Fingernägel solange, bis es zu Verletzungen kommt, und in der dritten Stufe kaut man die Fingernägel bereits solange, bis das Nagelbett sichtbar wird.

Ursachen des Nagelbeißens

Einst ging man davon aus, dass das Kauen an den Fingernägeln durch mögliche Angstzustände hervorgerufen würde. Allerdings konnte man diese Theorie widerlegen, indem Menschen untersucht wurden, die trotz nicht vorhandener Ängste und sicherem, ausgeglichenen Umfeld an den Fingernägeln kauten. Man vermutet die Ursprünge des Fingernägelkauens bereits in Kindertagen. Hier könnte das Nervensystem des Menschen so überlastet worden sein – sicher auch häufig unbewusst – dass man sich bei Anspannungen im künftigen Leben an dem Fingernägelkauen „festhält“. Dafür reicht es aus, dass sich die Eltern des Öfteren einmal gestritten haben, allerdings können auch größere Schockmomente ein Auslöser sein. Gab es in Kindertagen unsachgemäße Bestrafungen, die das Kind in Angst versetzt haben, war ein Elternteil vielleicht Alkoholsüchtig oder gab es sonstige psychische Traumata, ist es wahrscheinlich, dass das sensible Kind seine Nägel kaut. Dabei versucht das Kind – und später auch die erwachsene Person – die Nerven mit dem Nägelkauen zu beruhigen. Eine Art Trancezustand wird durch das Fingernägelkauen hergestellt, indem man die Sorgen kurz zu vergessen scheint. Außerdem können die Schmerzen, die man sich damit zufügt, unbewusst eine Selbstgeißelung sein. Dabei hat man zu früheren Zeiten eine Schocktherapie als Gegenmittel probiert. Mit dem Nägelkauen sollte etwas Negatives verbunden werden. So kann man sich vorstellen, dass bei jedem Biss ein geringer Stromschlag auf den Menschen einwirkt – aber solche Methoden gehören zum Glück der Vergangenheit an.

Maßnahmen gegen kauen an den Nägeln

Mit künstlichen Fingernägeln gelingt es leichter, das Fingernägelkauen loszuwerden. Weiterhin kann man – gerade in den kalten Monaten – zum Handschuh greifen. Im Arbeits- oder auch im Schulalltag ist dies aber schwer umzusetzen, denn irgendwann müssen die Handschuhe ausgezogen werden. Auch das Auftragen eines nicht gerade wohlschmeckenden Nagellacks, der gerade gegen das Nagelkauen hergestellt wurde, hilft, allerdings gilt es hierbei, die Chemie im Lack zu bedenken. Einfaches Wermutkraut erfüllt denselben Effekt.

Sind Anzeichen der Besserung bemerkbar und kommt wieder psychischer Stress auf die Betroffenen zu, verfallen diese leider wieder dem alten Muster. Man kann also nicht davon sprechen, dass man jemanden vom Fingernägelkauen heilen kann. Therapien für die Nerven und die bereits erwähnten Mittel sollten allerdings helfen, diese Angewohnheit sein zu lassen.